Wald ist unser Leben

Meldungen - Archiv

 

08.09.2026

AGDW - Die Waldeigentümer: Wiederherstellungsverordnung: Gutachten sieht Gefahren neuer Auflagen für Land und Forst

 

Gemeinsame Pressemitteilung von AGDW – Die Waldeigentümer, Deutscher Bauernverband und Familienbetriebe Land und Forst

Landnutzerverbände pochen auf Freiwilligkeit von Naturschutzmaßnahmen und Überarbeitung der umstrittenen EU-Verordnung


Die Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung (WVO) birgt erhebliche rechtliche Unsicherheiten für die Land- und Forstwirtschaft und könnte zu deutlichen Einschränkungen in der Flächenbewirtschaftung führen. Zu diesem Ergebnis kommt das heute in Berlin vorgestellte Gutachten „Rechtsfragen zur Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung und zur aktuellen Rechtssetzung im Naturschutzrecht“ der Kanzlei HSA Rechtsanwälte. Die Studie wurde gemeinsam vom Deutschen Bauernverband (DBV), dem Verband AGDW – Die Waldeigentümer und den Familienbetrieben Land und Forst beauftragt.

Freiwilligkeit gefährdet
Nach Einschätzung der Gutachter dürften die WVO-Vorgaben ordnungsrechtliche Beschränkungen der Landnutzung nach sich ziehen. Gutachter Dr. Konrad Asemissen erläutert: „Entgegen der politischen Zusage zur Wahrung der Freiwilligkeit ist durch die WVO mit Einschränkungen bei der Flächenbewirtschaftung zu rechnen.“ Die Rechtsunsicherheit für die Landnutzer erhöht sich auf nationaler Ebene durch die Vermengung der WVO mit dem Entwurf des Gesetzes zur Stärkung der Natürlichen Infrastruktur (NatInfG). „Die geplante Schaffung der Kulisse ‚natürliche Infrastruktur‘ lässt weitere ordnungsrechtliche Beschränkungen erwarten. Zudem geraten Land- und Forstwirtschaft weiter unter Druck, weil die Inanspruchnahme von Flächen durch Vorhaben und Maßnahmen ‚im überragenden öffentlichen Interesse’ Vorrang eingeräumt wird“, erklärt Asemissen mit Blick auf die im NatInfG-Gesetzentwurf vorgesehenen Instrumente der Landschaftsplanung.

Defizite bei Beteiligung und Transparenz
Schwere Defizite macht die Studie in punkto Transparenz aus, da noch nicht offengelegt ist, wie die Festlegung der Wiederherstellungsflächen und -maßnahmen in Deutschland erfolgen soll. Im Entwurf des Nationalen Wiederherstellungsplans sind allerdings selbst nationale Förderprogramme wie z.B. das Klimaangepasste Waldmanagement aufgeführt. Diese könnten laut Gutachten daher als Wiederherstellungsmaßnahmen gewertet werden, d.h. Förderflächen werden zu Wiederherstellungsflächen umdeklariert.

Fehlende Anpassungsmöglichkeit an den Klimawandel
Die Mitte 2024 in Brüssel beschlossene WVO hat die Stabilisierung von Ökosystemen zum Ziel. Dafür greift die Verordnung auf das Konzept statischer Lebensraumtypen (LRT) zurück, das in den neunziger Jahren mit der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) politisch installiert wurde. In der WVO fehlt allerdings eine Klausel, die es erlauben würde, die Festlegung von Ziel-Lebensraumtypen beispielsweise an die zunehmend spürbaren Folgen des Klimawandels anzupassen. Die Gutachter sehen deshalb gesetzgeberischen Handlungsbedarf, damit die Ziele der WVO unter den Bedingungen des Klimawandels überhaupt erreichbar werden.

Umsetzungsstopp und Überarbeitung gefordert
Bei der Vorstellung des Gutachtens erklärt der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied: „Das Gutachten entlarvt die politischen Zusagen einer freiwilligen Umsetzung der Naturwiederherstellungsverordnung als offenkundig unredlich und irreführend und untermauert damit die Kritik des Berufsstandes. Die WVO zusammen mit dem ‚Natürliche Infrastrukturgesetz‘ zerstört den bisher sehr erfolgreichen kooperativen Naturschutz. Wenn freiwilliges Engagement in Auflagen mündet und Fläche der Produktion entzogen wird, endet die Bereitschaft der Land- und Forstwirte für mehr Natur- und Artenschutz. Die umfangreichen Flächenziele und Schutzgebietsausdehnungen der WVO und des ‚Natürlichen Infrastrukturgesetzes‘ konterkarieren die nationale Versorgungssicherheit und Krisenvorsorge. Die nationale Umsetzung der WVO muss daher ausgesetzt und die Verordnung auf europäischer Ebene grundsätzlich überarbeitet werden.“

Rechte der Flächennutzer respektieren
Max von Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst: „Das Gutachten zeigt auf, dass die derzeit vorgesehenen Instrumente große Risiken für die Flächennutzung bergen und die Eigentumsrechte von Land- und Forstwirten bei der weiteren Umsetzung berücksichtigt werden müssen. Die Umweltpolitik muss die Flächenbewirtschafter bzw. Flächeneigentümer als Partner begreifen. Wer sein Heil in schleichenden Nutzungsbeschränkungen oder einer faktischen Stilllegung land- und forstwirtschaftlicher Flächen sucht, wird Schiffbruch erleiden.“

Der „Krise nationaler Tragweite“ gerecht werden
Prof. Andreas Bitter, Präsident der AGDW – Die Waldeigentümer: „Die Bundesregierung spricht angesichts der Folgen von Trockenheit und Dürre für die diesjährige Ernte selbst von einer ‚Krise nationaler Tragweite‘. Vor dem Hintergrund dieser bereits heute massiven Auswirkungen des Klimawandels ist es umso irritierender, wenn der Staat mit der WVO an statischen Referenzen in Form der Lebensraumtypen festhält. Die Verordnung muss an die Realität des Klimawandels angepasst werden und den klimaangepassten Waldumbau fördern, statt ihn auszubremsen.“

Eine Zusammenfassung des Gutachtens ist hier verfügbar.

Pressemitteilung der AGDW - Die Waldeigentümer, Deutscher Bauernverband und Familienbetriebe Land und Forst vom 08.09.2026

 


Zeige alle Meldungen aus dem Jahr: 2026 | 2025 | 2024 | 2023 | 2022 | 2021 | 2020 | 2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | alle


Waldbesitzerverbände und Partner:

10.09.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: Bundeskongress Forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse: Gemeinsam mehr für den Wald und die ländlichen Räume erreichen
08.09.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: Wiederherstellungsverordnung: Gutachten sieht Gefahren neuer Auflagen für Land und Forst
01.09.2026: DFWR-Information zur neuen „Rahmenvereinbarung für die Werksvermessung von Stammholz 2026“ (RVWV 2026)
13.08.2026: AGDW – Die Waldeigentümer und Familienbetriebe Land und Forst: EUDR im Kabinett - Zentrale Kritikpunkte bleiben ungelöst
29.07.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: Funktionierende Nutzungsketten und Holzmärkte erhalten
20.07.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: Staatlicher Pachtdeckel bricht mit Grundsätzen der Sozialen Marktwirtschaft
14.07.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: „Ohne Bioenergie verliert das Land“ – Breites Verbändebündnis veröffentlicht Petition und wirbt um Unterstützung
07.07.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: AGDW und Familienbetriebe Land und Forst warnen vor versteckten Eingriffen in Eigentumsrechte
30.06.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: Änderungen am NatInfG betreffen nur die Spitze des Eisbergs
29.06.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: AGDW-Waldsymposium verdeutlichte Handlungsbedarf bei Wiederherstellungsverordnung
26.06.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: AGDW positioniert sich zur Umweltministerkonferenz
26.06.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: Infrastruktur-Zukunftsgesetz schwächt Umweltschutz vor Ort
23.06.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: Papierindustrie und Waldbesitz warnen vor Wiederherstellungsverordnung
21.05.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: AGDW-Präsident Prof. Andreas Bitter im Amt bestätigt
20.05.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: AGDW-Präsident Prof. Bitter zur Waldzustandserhebung
06.05.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: Gebäudemodernisierungsgesetz: Kaskadenpflicht ist realitätsferne Überregulierung
05.05.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: EUDR: EU-Kommission setzt Realitätsverweigerung fort – Waldbesitzer weiter massiv belastet
04.05.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: Start der Öffentlichkeitsbeteiligung zum Nationalen Wiederherstellungsplan: AGDW fordert grundlegende Kurskorrektur
28.04.2026: DFWR: Der Wald der Zukunft braucht Freiheit, keine Fesseln
27.04.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: Zum Tag des Baumes: Klimaschutzeffekt von Wald und Holz erreicht 94 Millionen Tonnen CO₂
30.03.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: Waldeigentümer begrüßen EUDR-Initiative der Bundesregierung
27.03.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: Klimaschutzprogramm: Chancen für den Waldumbau, aber Nachbesserungsbedarf
25.03.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: Durch „unterstützte Migration“ Schritt halten mit dem Tempo des Klimawandels im Wald
20.03.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: Durchforsten des EU-Bürokratie-Dschungels muss jetzt beginnen!
19.03.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: Waldeigentümer fordern entschlossenes Handeln von Bund und Ländern in Europa
18.03.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: Tag des Waldes im Zeichen der Wirtschaft
17.03.2026: Mit vereinten Kräften gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP)!
17.03.2026: PEFC PM: Tag des Waldes am 21. März
16.03.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: Infrastruktur-Zukunftsgesetz: Ersatzgeldregelung unterläuft bewährte Ausgleichssysteme
16.03.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: Wald verbessert Deutschlands Klimabilanz maßgeblich
11.03.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: Wiederherstellungsverordnung: Geleaktes Kommissionspapier legt Finanzierungsproblem offen
04.03.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: Bundesländer immer kritischer gegenüber der Wiederherstellungsverordnung
23.02.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: EU-Kommission bleibt W-VO-Kostenanalyse schuldig
19.02.2026: AGDW - Die Waldeigentümer: EUDR fit für die Praxis machen! Europäische Kommission ist gefordert - Vorschläge für notwendige Anpassungen liegen vor

Sonstige Meldungen:

08.09.2026: SGV: Benehmensverfahren neuer Rundwanderweg Womelsdorf (Erndtebrück)
07.09.2026: SGV: Benehmensverfahren neuer Streckenwanderweg UTR-Dortmund
20.08.2026: SGV: Benehmensverfahren neuer Rundwanderweg UTR-Witten
30.07.2026: Wald und Holz NRW: "Erfolgsmodell Urbane Ranger: für den Wald in Nordrhein-Westfalen" zum Weltrangertag am 31.07.2026
29.07.2026: MUNV: Ministerien warnen vor erhöhter Waldbrandgefahr und zunehmenden Schäden im Wald
22.06.2026: SGV: Benehmensverfahren "Streckenwanderweg Urban.Trail Herne / Herten / Recklinhausen - drei Kommunenweg"
02.06.2026: SGV: Benehmensverfahren für drei neue Rundwanderwege in Bad Berleburg Wemlighausen
13.05.2026: SGV: Benehmensverfahren Urban.Trails Ruhr "neuer Streckenwanderweg UTR-Bochum"
27.04.2026: SGV: Benehmensverfahren Urban.Trails Ruhr "neuer Streckenwanderweg UTR-Essen"
11.03.2026: Wald und Holz NRW: Presseinformation Startklar für den eigenen Wald: Neue Orientierungshilfe für Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer in NRW erschienen
10.03.2026: SGV: Benehmensverfahren Urban.Trails Ruhr "neuer Streckenwanderweg UTR-Duisburg"
11.02.2026: SGV: Benehmensverfahren Urban.Trails Ruhr "neuer Streckenwanderweg UTR-Gelsenkirchen"
28.01.2026: SGV: Benehmensverfahren von 16 Themenwegen in Winterberg und Hallenberg-Liesen
22.01.2026: SGV: Benehmensverfahren "neuer Rundweg Weidenhausen" (Bad Berleburg)
Lies mich - Wichtig!
Neueste Meldungen
Termine