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11.03.2026
AGDW - Die Waldeigentümer: Wiederherstellungsverordnung: Geleaktes Kommissionspapier legt Finanzierungsproblem offen
Milliardenlücke zeigt, warum der angekündigte Finanzierungsbericht der EU bis heute fehlt
Heute ist eine Kostenschätzung der EU-Kommission bekannt geworden, wonach eine milliardenschwere Finanzierungslücke bei der geplanten Umsetzung der umstrittenen Wiederherstellungsverordnung besteht. Für den Verband AGDW – Die Waldeigentümer und die Familienbetriebe Land und Forst zeigt der geleakte Bericht die vielen offenen Fragen der Wiederherstellungsverordnung (W-VO) und deren Unzulänglichkeiten auf.
Die Europäische Kommission hätte schon bis Mitte August 2025 darlegen müssen, wie die Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung finanziert werden soll. Der überfällige Bericht lässt jedoch weiter auf sich warten. Das nun bekannt gewordene interne Papier der Kommission zeigt, warum: Die Finanzierung der geplanten Maßnahmen ist bis heute nicht geklärt. Nach den Berechnungen der Kommission liegt der jährliche Finanzierungsbedarf für die Umsetzung der Verordnung bei rund 11,8 bis 13,1 Milliarden Euro, während derzeit lediglich etwa 9,4 Milliarden Euro aus EU- und nationalen Mitteln zur Verfügung stehen würden. Daraus ergibt sich eine Finanzierungslücke von bis zu 3,7 Milliarden Euro pro Jahr! Hinzu kommt, dass die für die Finanzierung vorgesehenen Mittel teilweise bereits in erfolgreichen Programmen gebunden sind.
„Das geleakte Papier macht sichtbar, warum die Kommission beim Finanzierungsbericht seit Monaten auf der Bremse steht“, sagt Max von Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst. „Man hat eine Verordnung mit weitreichenden Verpflichtungen beschlossen, ohne vorher zu klären, wie sie bezahlt werden soll. Auf Grundlage von Zahlen der LANA und Branchenhochrechnungen für die Land- und Forstwirtschaft gehen wir davon aus, dass die jährlichen Kosten allein für Deutschland bei mindestens drei bis vier Milliarden Euro liegen werden. Wenn selbst die eigenen Zahlen der Kommission eine Milliardenlücke offenlegen, zeigt das das Grundproblem dieser Verordnung“, so Elverfeldt. „Die bestehenden Finanzierungslücken dürfen nicht zulasten bewährter Förderinstrumente der Land- und Forstwirtschaft geschlossen werden. Programme wie die Gemeinsame Agrarpolitik und die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz dürfen nicht zur Finanzierung eines Projekts dienen, dessen Kosten immer weiter aus dem Ruder laufen.“
Prof. Andreas Bitter, Präsident des Verbandes AGDW – Die Waldeigentümer erklärt: „Die im heute bekannt gewordenen Bericht aufgedeckte Finanzierungslücke offenbart ein weiteres Mal die Unzulänglichkeiten der Verordnung. Denn die W-VO ist weder verlässlich finanziert, noch sind die erwartbaren Kosten tatsächlich seriös abschätzbar. Das liegt nicht zuletzt an den inhaltlichen Defiziten der W-VO, welche die Wiederherstellung idealtypischer Waldgesellschaften anstrebt und die Folgen des Klimawandels dabei weitgehend ausblendet. Dieses starre Leitbild läuft der Dynamik in den Wäldern zuwider und gefährdet den Waldumbau mit klimastabilen Baumarten,“ so Bitter.
Bitter und Elverfeldt: „Aufgrund ihrer inhaltlichen Unzulänglichkeiten und ihrer ungesicherten Finanzierung muss die Umsetzung der W-VO umgehend gestoppt und die Verordnung in Brüssel grundlegend überarbeitet werden.“
Über AGDW – Die Waldeigentümer
Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände e.V. (AGDW – Die Waldeigentümer) vertritt die Interessen des Privat- und Körperschaftswaldes gegenüber Parlamenten, Bundesministerien, Wirtschaft, Wissenschaft und Öffentlichkeit. Mit ihren 13 regionalen Mitgliedsverbänden steht die AGDW für mehr als zwei Drittel der Waldfläche Deutschlands und die rund 2 Millionen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer in Deutschland. Eine proaktive Waldbewirtschaftung ist für uns Grundlage nachhaltigen Handelns in Wirtschaft und Gesellschaft. Wir lassen uns leiten vom generationenübergreifenden Verantwortungsbewusstsein für eine in Freiheit und Vielfalt gestaltete Umwelt.
Pressemitteilung der AGDW - Die Waldeigentümer vom 11.03.2026