Waldbauernverband Nordrhein-Westfalen e. V.

600.000 ha Privatwald
in Nordrhein-Westfalen
- Ressource mit Zukunft
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600.000 ha Privatwald in Nordrhein-Westfalen - Ressource mit Zukunft

so lautete der Titel einer von Professor Dr. Gero Becker und Dr. Jens Borchers für den Waldbauernverband Nordrhein-Westfalen ausgeführten ausführlichen Untersuchung zu "Strukturen und Motiven im Privatwald von Nordrhein-Westfalen". Diese Untersuchung wurde im Juni 2000 vorgestellt. Wir veröffentlichen aus den Ergebnissen einige wichtige Strukturdaten über den Privatwald in Nordrhein-Westfalen:

Statistische Grundlagen


Im Jahr 2000 wurden in Nordrhein-Westfalen die Ergebnisse einer Landeswaldinventur vorgestellt. Dieser Inventur liegen örtliche Erhebungen in einem Stichprobennetz von 1 km x 1 km zugrunde. Jeder Rasterpunkt repräsentiert somit eine Waldfläche von 100 Hektar. Von den insgesamt 8.784 Rasterpunkten entfallen 5.963 Rasterpunkte auf den Privatwald. Statistisch beträgt die Gesamtfläche des Privatwaldes in NRW somit 596.300 Hektar. Wegen der Kleinflächigkeit des Privatwaldes ist jedoch davon auszugehen, dass mit dieser Zahl die wahre Fläche noch geringfügig unterschätzt ist.

Insgesamt dürften fast 600.000 Hektar Wald in Nordrhein-Westfalen privaten Eigentümern gehören.

Wer sind die Waldbesitzer in NRW ?

Ungefähr 26 % der Fläche unseres Bundeslandes ist mit Wald bedeckt. Insgesamt gibt es in Nordrhein-Westfalen 878.400 Hektar Wald. Auf die verschiedenen Besitzarten verteilt sich der Wald wie folgt:


Der weitaus grösste Anteil entfällt somit auf den Privatwald. Nordrhein-Westfalen ist das Bundesland mit dem höchsten Privatwaldanteil in der Bundesrepublik Deutschland.

Der Privatwald in Nordrhein-Westfalen verteilt sich wiederum auf 150.000 private Eigentümer.



Wo liegt der Privatwald in NRW ?

In unserem Bundesland gibt es sehr grosse, waldreiche Regionen: Ein grosser Landesteil mit sehr viel Wald ist das Sauerland. Ein relativer kleiner Landesteil, allerdings ebenfalls mit hohem Waldanteil, ist Siegen-Wittgenstein. Andererseits gibt es grosse, eher landwirtschaftlich geprägte Landesteile mit relativ geringen Waldanteilen, wie das Münsterland und der Niederrhein. Insgesamt verteilt sich der Privatwald entsprechend Grösse und Waldanteil des jeweiligen Landesteils auf die einzelnen Regionen des Landes wie folgt:
 

Die Besitzartenverteilung in den Regionen unseres Landes

Innerhalb der Regionen unseres Landes ist der Anteil des Privatwaldes am Gesamtwald durchaus unterschiedlich: Den weitaus höchsten Privatwaldanteil hat Siegen-Wittgenstein mit 85 %, gefolgt vom Münsterland mit 79 % und dem Sauerland mit 76 %. Im Bergischen Land gehören 72 % der Waldflächen privaten Eigentümern, am Niederrhein 56 % und in Ostwestfalen-Lippe 52 %. Am niedrigsten ist der Privatwaldanteil in der Eifel, wenngleich auch hier der Privatwald den grössten Anteil bildet. Mit fast 33 % ist gerade in der Eifel der Anteil des Kommunalwaldes relativ hoch.

Welche Waldformen begegen uns im Privatwald von NRW ?

Hochwald ist die vorherrschende Bewirtschaftungsform: Mit 535.200 ha (90 %) dominiert im Privatwald des Landes Nordrhein-Westfalen klar die Bewirtschaftungskategorie des Hochwaldes. Historische Waldformen wie der Stockausschlagswald spielen mit 5.400 ha (0,9 %) nur eine untergeordnete, lediglich regional spürbare Rolle: Hier sind vor allem die "Hauberge" im Siegerland zu nennen. Ähnliches gilt für die Weihnachtsbaumkulturen im Sauerland (7.600 ha) und die Wallhecken im Münsterland (10.800 ha). Nichtwirtschaftswald wurde auf immerhin 3 % der Privatwaldfläche kartiert. Der hohe Anteil in Rhein-Ruhr und am Niederrhein deutet darauf hin, dass es sich hierbei um Haldenbepflanzungen und natürliche Sukzessionen auf ehemaligen Industriestandorten handelt.

Die Baumarten im Privatwald von NRW

Im Privatwald des Landes Nordrhein-Westfalen sind Laub- und Nadelholz mit annähernd gleichen Flächenanteilen vertreten. Den grössten Anteil nimmt die Fichte ein. Bemerkenswert hoch ist aber auch der Anteil des Edellaubholzes (Kirsche, Ahorn, Esche u.a.). Beim "sonstigen Laubholz" spielen insbesondere Sandbirke und Schwarzpappel eine tragende Rolle. Die wichtigsten Einzelbaumarten sind:

Regional bilden die Baumarten klare Schwerpunkte. Signifikant über dem Durchschnitt liegende Anteile ergeben sich für

Fichte in Sauerland und Eifel
Kiefer/Lärche am Niederrhein und im Münsterland
Eiche im Münsterland
Buche in Ostwestfalen-Lippe.

Die Altersklassenverteilung im Privatwald von NRW

Die Altersklassenverteilung ergibt einen deutlichen Schwerpunkt bei den 40-60 jährigen Waldbeständen:

AK I, 0-20: 38.500 ha    -   AK II, 20-40: 94.400 ha   -    AK III, 40-60: 170.200 ha    -   AK IV, 60-80: 104.600 ha
AK V, 80-100: 73.000 ha -  AK VI, 100-120: 44.900 ha - AK VII, 120-140: 27.100 ha   -   AK VIII, über 140: 25.100 ha

Bedingt durch Zerstörungen der Kriegs- und Nachkriegszeit überwiegen mit 51 % der Fläche noch knapp die unter 60-jährigen Bestände. Dieser hohe Anteil verdeutlicht die enorme Aufbauleistung der privaten Waldbesitzer in den vergangenen 60 Jahren. Heute ist klar absehbar, dass innerhalb weniger Jahre die älteren Bestände überwiegen werden, mit positiven Konsequenzen für künftige Nutzungsmöglichkeiten und ökologische Wirkungen.

Die Holznutzung im Privatwald von NRW

Die Ergebnisse der von Becker und Borchers vorgenommenen, sehr differenzierten und detaillierten Abschätzungen bestätigen die Aussagen früherer Untersuchungen für den Privatwald im Land Nordrhein-Westfalen eindrucksvoll: Dem tatsächlichen Normaleinschlag von rund 2 Mio Erntefestmetern (Efm) steht ein geschätztes Potential von rund 4 Mio Efm gegenüber. Insgesamt könnte also der Holzeinschlag in den privaten Wäldern unseres Landes erheblich gesteigert werden.

Holz ist ein einzigartiger Rohstoff, der ständig in grossen Mengen produziert wird, dies allein mit Sonnenenergie und ohne jeden Flächenverbrauch, weil der Wald selbst die Produktionsfläche ist !

Die Diskrepanz zwischen möglicher und tatsächlicher Nutzung stellt eine grosse forstpolitische Herausforderung für die nächsten Jahre dar.

07/2001