Forstlicher Betriebsvergleich

 

Das Testbetriebsnetz Forstwirtschaft des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) erfüllt den gesetzlichen Auftrag, dem Deutschen Bundestag über die wirtschaftliche Lage und die Entwicklung der Forstbetriebe zu berichten. Hierzu werden im Rahmen einer freiwilligen Teilnahme von Forstbetrieben jährlich die Wirtschaftsdaten aus dem Körperschafts- und Privatwald mit einer Waldbesitzfläche von mehr als 200 ha je Betrieb aufgezeichnet. Die Datenerhebung ist Aufgabe der Länder, für Nordrhein-Westfalen übernimmt dies in Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb Wald und Holz und Unterstützung des Waldbauernverbandes Nordrhein-Westfalen die Universität Göttingen, Abteilung Forstökonomie und Forsteinrichtung.

Ergebnisse des forstlichen Privatwald-Betriebsvergleich Westfalen-Lippe im Jahr 2016:
Lesen Sie hier die Veröffentlichung in unserer Verbandszeitschrift "Die Waldbauern in NRW" Nr. 06/2017.


Die wirtschaftliche Lage der privaten Forstbetriebe 2016 im Forstlichen Betriebsvergleich Westfalen-Lippe

Am 28. Juni 2017 fand in der Stadthalle Werl die gut besuchte Veranstaltung "Forstlicher Betriebsvergleich mit anschließender Plenartagung" statt. Lesen Sie hier die freigegebenen Präsentationen der Referenten:

Aktuelle Ergebnisse aus dem Betriebsvergleich Westfalen-Lippe im Überblick
Prof. Dr. Bernhard Möhring
Abteilung für Forstökonomie und Forsteinrichtung der Universität Göttingen

Beitrag der Forst- und Holzwirtschaft zum Klimaschutz
Prof. Dr. Hermann Spellmann
Direktor Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt

Entscheidungshilfen zur Klimaanpassung
Prof. Dr. Hermann Spellmann
Direktor Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt



Für das Jahr 2015 finden Sie nachfolgend einen Bericht von Dr. Markus Dög und Prof. Dr. Bernhard Möhring, Universität Göttingen

Mit dem forstlichen Betriebsvergleich Westfalen-Lippe werden seit 1969 kontinuierlich Betriebsdaten privater Forstbetriebe aus Nordrhein-Westfalen und unmittelbar angrenzenden Bereichen in Hessen und Niedersachsen erhoben. Mit Hilfe dieser Daten können die wichtigsten finanziellen und naturalen Entwicklungen der privaten Forstbetriebe aufgezeigt, Zusammenhänge erschlossen und Trends beschrieben werden. Für das Wirtschaftsjahr 2015 haben 32 Betriebe mit einer mittleren Betriebsfläche von 1657 ha Daten gemeldet und damit diese älteste und umfangreichste Datenerhebung ihrer Art im Privatwald fortgeschrieben.

Überblick

Nach ihren Baumartenschwerpunkten werden die teilnehmenden Betriebe untergliedert in die drei „Beratungsringe“ Fichte (Fichtenanteil 68 % der Fläche) mit räumlichem Schwerpunkt im Sauerland, Laubholz mit einem überwiegenden Buchenanteil (54 % der Fläche) und räumlichem Schwerpunkt im Weserbergland und Kiefer (stärkere Mischung der Baumartengruppen mit einem Kiefernanteil von 38 % der Fläche) und räumlichem Schwerpunkt im Münsterland (Abbildung 1). Bezogen auf die Gesamtsumme nehmen die Betriebe des Fichtenrings 20 %, die Betriebe des Laubholzrings 21 % und die Betriebe des Kiefernrings 59 % der Waldfläche (Wirtschaftswald) im Betriebsvergleich ein. Die durchschnittlichen Betriebsflächengrößen betrugen dabei im Berichtsjahr 2015 bei den Fichtenbetrieben 976 ha, bei den Laubholzbetrieben 1211 ha und 2617 ha bei den Kiefernbetrieben.

Anteile der Baumartgruppen
Abbildung 1: Anteile der Baumartengruppen an der Waldfläche der Betriebe, differenziert nach Beratungsringen


Holzeinschlag

Im Durchschnitt über alle Betriebe lag der Holzeinschlag 2015 mit einem Wert von 5,5 Efm/ha (Abbildung 2) auf dem Niveau der vergangenen fünf Jahre (Mittelwert 5,7 Efm/ha). Während die Kiefernbetriebe wenig Veränderung zum Vorjahr zeigen (5,1 Efm/ha), ist der Einschlag bei den Fichtenbetrieben im Berichtsjahr leicht angestiegen (6,4 Efm/ha) und liegt damit wieder über jenem der Laubholzbetriebe. Im langjährigen Vergleich ist jedoch der Trend des Einschlagsrückgangs weiterhin erkennbar. Eine Erklärung für den leichten Anstieg des Einschlagsvolumens der Fichtenbetriebe kann das Orkanereignis „Niklas“ geben. Davon betroffen waren im März 2015 Gebiete in ganz Deutschland, insbesondere jedoch fichtenreiche Gebiete aufgrund des jahreszeitlichen Auftretens zum Ende des Winters. Für die Laubholzbetriebe kann nach dem sturmbedingten, starken Anstieg 2014 (8,6 Efm/ha) ein deutlicher Rückgang (6,1 Efm/ha) auf das Niveau der Vorjahre (6,3 Efm/ha im Mittel der vergangenen fünf Jahre) beobachtet werden.

Einschlag
Abbildung 2: Zeitreihe zum Einschlag der Betriebe, differenziert nach Beratungsringen


Bei Betrachtung des auf den jeweiligen Flächen der Baumartengruppen bezogenen Einschlages (Abbildung 3) ist festzustellen, dass bei Betrieben des Fichten- und Laubholzringes der Einschlag in der Baumartengruppe Fichte jeweils am höchsten ist. Im Durchschnitt über alle Betriebe liegt der Einschlag in der Fichte bei 6,6 Efm je Hektar Fichtenfläche. Bemerkenswert ist auch, dass die Laubholzbetriebe (mit Ausnahme der Kiefernfläche) einen deutlich höheren Einschlag je Hektar Baumartenfläche realisieren als die Fichtenbetriebe. Dies lässt darauf schließen, dass die Laubholzbetriebe, was die Produktivität der Standorte und die Vorratsausstattung anbetrifft, besser ausgestattet sind als jene des Fichtenringes und dass diese ihre Einschlagstätigkeit 2015 auf andere Baumartengruppen fokussiert haben.

Einschlag je Baumartenfläche
Abbildung 3: Einschlag je Hektar Baumartenfläche, differenziert nach Beratungsringen

Ein Blick auf die Verteilung der Altersklassen der Baumartengruppen (Abbildung 4) zeigt, dass deutliche Überhänge in den höheren Altersklassen des Laubholzes (Maximum bei über 140 Jahren) in den Fichten- und Laubholzbetrieben zu finden sind. Das bedeutet, dass in Zukunft im alten Laubholz ein Nutzungsschwerpunkt zu setzen ist, zum einen weil die Zielstärke und angestrebte Umtriebszeit erreicht ist und zum anderen um einer Entwertung des Holzes durch Fäule im höheren Alter vorzubeugen. Die Altersklassenverteilung der Baumartengruppe Fichte weist – nicht zuletzt als Folge des Sturms Kyrill – deutlich höhere Flächenanteile in jungen Altersklassen auf, weshalb namentlich in den Betrieben des Fichtenringes weniger Fichtenfläche zur Endnutzung ansteht.

Anteile der Altersklassen nach Baumartgruppen
Abbildung 4: Anteile der Altersklassen (Angabe in Jahren) der Baumartengruppen an der Holzbodenfläche, differenziert nach Beratungsringen


Deckungsbeitrag Holzernte

Der Deckungsbeitrag Holzernte fließt den Betrieben nach Abzug der Kosten für Fällen und Rücken für das in Eigenregie, durch Unternehmer oder in Selbstwerbung aufgearbeitete Holz zu. Er wird auch als Nettoholzerlös oder erntekostenfreier Holzerlös bezeichnet. Über alle Betriebe betrachtet bewegt sich der Deckungsbeitrag Holzernte im Jahr 2015 (Abbildung 5) auf dem Niveau des Vorjahres (44 €/Efm). Nur bei den Laubholzbetrieben ist ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr zu beobachten (+4,60 €/Efm auf 47,39 €/Efm), hingegen ist der erntekostenfreie Holzerlöse bei den Fichtenbetrieben zwar weniger stark als im Vorjahr aber weiter leicht abgesunken (-2,65 €/Efm auf 47,76 €/Efm) Der Deckungsbeitrag Holzernte der Kiefernbetriebe sank auch leicht ( 1,47 €/Efm auf 41,66 €/Efm). Bemerkenswert ist, wie dicht die erntekostenfreien Holzerlöse der drei Beratungsringe beieinander liegen, insbesondere der Kiefernring hat gegenüber der Zeit vor 20 Jahren deutlich aufgeholt. Dafür dürfte das Aufrücken der Altersklassen, der Anbau produktiverer Baumarten aber auch die Marktsituation verantwortlich sein, die heute stärker als früher „Masse statt Klasse“ honoriert.

Deckungsbeitrag Holzernte
Abbildung 5: Deckungsbeitrag Holzernte (erntekostenfreier Holzerlös) inklusive Selbstwerbung in €/Efm, differenziert nach Beratungsringen


Deckungsbeitrag der Holzartengruppen

Wie oben dargestellt, unterscheidet sich der Einschlag nicht nur zwischen den Beratungsringen, sondern auch zwischen den Holzartengruppen. Daraus resultiert ein unterschiedlicher Deckungsbeitrag je Hektar Baumartenfläche. In Abbildung 6 werden die Deckungsbeiträge der Holzartengruppen je Hektar Baumartenfläche differenziert nach Beratungsringen dargestellt.
Die ökonomisch bedeutendste Holzartengruppe im Durchschnitt aller Betriebe ist, wie auch im Mittel der vergangenen Jahre, die Fichte. Aufgrund der zwischen den Beratungsringen unterschiedlichen Alterklassenstruktur und Produktivitäten liegt der Deckungsbeitrag der Fichte je Hektar Fichtenfläche in den Laubholzbetrieben (449 €/ha) deutlich höher ist als bei den Fichtenbetrieben (383 €/ha). Damit wird deutlich, dass auch in den Laubholzbetrieben die Fichte der wirtschaftliche Brotbaum ist. In den Kiefernbetrieben ist zu beobachten, dass der Deckungsbeitrag je Hektar im Vergleich der Holzartengruppen verhältnismäßig eng zusammen liegt. Die Eiche wies dort 2015 je Hektar Baumartenflächen gar den höchsten Deckungsbeitrag je Hektar auf. Sie ist in den Kiefernbetrieben mit nennenswerten Altersklassenanteilen und zum Teil auch guten Qualitäten vertreten.

Deckungsbeitrag je Baumartenfläche
Abbildung 6: Deckungsbeitrag der Holzartengruppen je Baumartenfläche, differenziert nach Beratungsringen


Reinertrag

Als Reinertrag wird der Saldo zwischen Ertrag und Aufwand ohne Förderung bezeichnet. Mit Hilfe des Reinertrages lässt sich die wirtschaftliche Situation der Forstbetriebe darstellen. Der Reinertrag ist im Mittel aller Betriebe leicht gefallen (-15 %) und lag 2015 bei 97 €/ha (Abbildung 7). Er ist damit erstmals seit 2010 wieder unter 100 €/ha abgesunken. Während der Reinertrag der im Jahr 2014 vom Tiefdruckgebiet „Ela“ besonders betroffenen Laubholzbetriebe im vergangenen Wirtschaftsjahr 2015 wieder auf dem Niveau der Vorjahre angekommen ist (-33 %, 175 €/ha), ist der Reinertrag der Fichtenbetriebe, der im vergangenen Wirtschafsjahr um mehr als 50 % gesunken war, 2015 wieder leicht angestiegen (+11 %). Die Kiefernbetriebe konnten den Reinertrag gar um 21 % steigern (auf 62 €/ha), wodurch der positive Trend der vergangenen Jahre in diesem Beratungsring fortgeschrieben werden konnte.

Reinertrag
Abbildung 7: Zeitreihe zum Reinertrag der Testbetriebe, differenziert nach Beratungsringen


Die wirtschaftliche Lage der privaten Forstbetriebe 2014 im Forstlichen Betriebsvergleich Westfalen-Lippe


Am 9. Juni 2015 fand in der Stadthalle Werl die gut besuchte Veranstaltung "Forstlicher Betriebsvergleich mit anschließender Plenartagung" statt. Lesen Sie hier die freigegebenen Präsentationen der Referenten:

Die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse im Überblick
Wirtschaftliche Belastungen durch Naturschutz im Wald
Prof. Dr. Bernhard Möhring,
Abteilung für Forstökonomie und Forsteinrichtung der Universität Göttingen

Wald in Deutschland und NRW - Ergebnisse der III. Bundeswaldinventur
Dr. Heino Polley, Thünen-Institut & Institut für Waldökosysteme
Bundesinventurleiter der Bundeswaldinventur