Infos zum Waldbauern-
verband NRW e.V.
Der Waldbauernverband ist die freie Vereinigung der privaten Waldbauern in NRW. Er vertritt die Belange von 150.000 Privatwaldbesitzern und stärkt die Rechte des Waldeigentums mit seinen vielfältigen Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen. Dabei kümmert sich mit seinen regionalen Untergruppen um Aufgaben vor Ort und setzt sich für die Stärkung aller Waldfunktionen sowie für das Recht auf Eigentum und Freiheit der Bewirtschaftung ein.
Er entwickelt und unterstützt freiwillige vertragliche Vereinbarungen rund um die Waldwirtschaft und steht privaten Forstbetrieben beratend und fördernd zur Seite. Darüber hinaus unterstützt er die Bildung von Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen, berät bei Fragen zur Zertifizierung und unterstützt bei Rechtsfragen rund um die Waldwirtschaft.
Über 60 Jahre Waldbauernverband NRW
Am 20. Mai 1949 wurde der Waldbauernverband NRW gegründet. Die vorangegangenen Organisationen wurden bereits im Jahr 1933 in den Reichsnährstand überführt. Die Kreisgruppen wurden 1946 neu gegründet, in diesem Jahr erfolgte auch die Gründung der der Landesverbände ‚Waldbauernverband Westfalen‘ und ‚Rheinischer Waldbesitzerverband‘.
Auf dem 1. Waldbauerntag in Schmallenberg wurde Dr. Friedrich Carl Graf von Westphalen-Fürstenberg zum Präsidenten des Gesamtverbandes gewählt.
Da Kohle nur sehr schwer zu bekommen war, bestand ein großer Bedarf an Brennholz. Die Beschaffung von Grubenholz für die Zechen und der Bedarf an Bauholz für Wiederherstellung und Reparatur von Dächern waren dringend. Politisch sah Graf Westphalen als seine Hauptaufgabe die Verfügungsfreiheit der Eigentümer über ihren privaten Waldbesitz und das Recht ihn nach ihren Zielsetzungen nachhaltig zu bewirtschaften. Bis zum Jahr 1966 waren auch die Kommunen im Verband vertreten, dann trennte sich der Kommunale Waldbesitzerverband ab, da die Interessen sich unterschiedlich entwickelt hatten. Übrigens war Graf Westphalen auch der erste Vorsitzende der 1948 gegründeten Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW).
Gerade in den ‚Wilden 60-ern’ kam der Gedanke auf, dass die Wohlfahrtswirkungen des Waldes und der Landschaft für die Erholung der Stadtbevölkerung Vorrang vor den Eigentümerinteressen bekommen müssen. Mit der Sozialpflichtigkeit des Eigentums müsse endlich Ernst gemacht werden. Der heute längst überholte Slogan „Holz kann man importieren, die Wohlfahrtswirkungen des Waldes nicht“ wurde damals aus der Taufe gehoben.
Im Jahr 1967 wurde unter Federführung des Waldbauernverbandes die „Holzerzeugergemeinschaft Sauerland“ gegründet. 1976 beschloss die Mitgliederversammlung, allerdings die Geschäftseinstellung und Rückzahlung der eingelegten Geschäftsanteile. Im Jahr 1968 gab Graf Westphalen den Vorsitz im Verband an Leopold Freiherr von Fürstenberg ab. Unterstützt von den Landwirtschaftskammern gründete der Waldbauernverband 1971 das „Holzwerk Mark“. Das Werk musste allerdings 1975 schon wieder Konkurs anmelden. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit der Waldbauern mit den Forstbeamten der Landwirtschaftskammer vor der Errichtung der Einheitsforstämter (im Jahr 1971 mit Hoheit plus Beratung) durch das novellierte Landesforstgesetz wurde nach anfänglichen Zweifeln dann auch mit diesen fortgesetzt. Alexander Baron von Elverfeldt wurde der Nachfolger von Baron Fürstenberg, in den Jahren 1973 – 1989. Unter seinem Vorsitz wurde das freie Betretungsrecht des Waldes für jeden Bürger zum Zwecke der Erholung per Gesetz verfügt.
Das Thema ‚Waldsterben fiel sowohl in die Zeit seines Vorsitzes, als auch in die Zeit seines Nachfolgers Phillip Fürst zu Salm-Horstmar 1989 - 1997. Die verstärkte Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes wirkte sich aus, man sprach über die Forstwirtschaft. Die erhebliche Verminderung des SO2 -Ausstoßes der Kraftwerke ist unter anderen auch auf den Einsatz der Verbandsmitglieder zurückzuführen. Allerdings trafen in den gegründeten Beiräten auf Stadt-, Kreis- und Landesebene jetzt auch „Nützer“ und „Schützer“ zusammen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten rückten die Vertreter des Verbandes in die Vorstände vor. In diese Zeit fiel dann auch der gesetzlich verankerte Vertragsnaturschutz, der in den Warburger Vereinbarung im Jahr 1994 gipfelte.
Nachfolger von Fürst zu Salm-Horstmar wurde Dietrich Graf von Nesselrode (1997 – 2009). Direkt nach Beginn seiner Arbeit, wurde zur Zertifizierung der Wälder in NRW das Siegel ‚PEFC’ ohne staatliche Unterstützung gegründet. Im Jahr 2007 fegte der Sturm ‚Kyrill’ plötzlich die aufkeimende Hoffnung auf wieder steigende Holzpreise weg. Gerade hatte der Käufermarkt wieder zum Verkäufermarkt gedreht.
Anfang des neuen Jahrhunderts sahen sich die Waldbesitzer mit einem Verfahren des Bundeskartellamtes zur Holzvermarktung durch die staatliche Forstverwaltung konfrontiert. Das Bundeskartellamt sah die monopolartige Holzvermarktung durch staatliche Stellen sehr kritisch. Als Konsequenz wurden mit Unterstützung der damaligen Landesregierung und unter Federführung des Waldbauernverbandes im Jahr 2005 in Südwestfalen drei Forstwirtschaftliche Vereinigungen gegründet. Im Münsterland wurden die Dienstleistungen der bestehenden Naturstoff- und Dienstleistungszentrale Land und Forst mit Sitz in Saerbeck weiter ausgebaut. Auch um den Waldbesitzern in Zeiten von Kyrill eine Perspektive zu geben, gründeten die Forstwirtschaftlichen Vereinigungen im Jahre 2007 ohne Untersützung staatlicher Stellen die eigenständig wirtschaftende Holzverkartunggesellschaft "WaldHolz Sauerland GmbH" mit Sitz in Olpe. Die Umwandlung der Forstverwaltung im Jahre 2005 in einen Landesbetrieb, die einer Verstaatlichung der forstlichen Betreuung gleichkam, und die Forstreform im Jahre 2008 haben in der forstlichen Landschaft des Landes NRW sehr deutliche Spuren hinterlassen.
Genau in das Ende der Amtszeit von Graf von Nesselrode und den Beginn der Arbeit von Philipp Freiherr Heereman (seit 2009) fiel die seit langem notwendige Strukturreform des Waldbauernverbands NRW, die durch den Landesverbandsausschuss am 8. Juli 2010 beschlossen wurde und mit einer Änderung der Satzung am 27. September 2010 durch den einberufenen Waldbauerntag beendet ist.
Das Interesse der Waldbesitzer in Nordrhein-Westfalen an ihren Forstflächen ist außerordentlich unterschiedlich. Es reicht von der alleinigen Existenzgrundlage des Waldbauern über die Sparkassenfunktion im bäuerlichen Gemischtbetrieb und für Familien mit andern Haupteinkommensquellen bis zu denen, die ihren Wald als überkommenes Erbe lieben und seine Pflege zum Hobby gemacht haben. Was sie eint ist die Bedeutung des Eigentums. Der Waldbauernverband NRW hat sich seit seiner Gründung zur Aufgabe gemacht, all diese Gruppierungen zu vertreten.
